Verletzungen vermeiden: Aufwärmen beim Schlagzeugspiel

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Ziel des Aufwärmens beim Schlagzeugspiel ist es, einen optimalen Vorbereitungszustand für die Übungseinheit herzustellen. Zudem soll ein Aufwärmprogramm zur Verletzungsprophylaxe beitragen. Wir unterscheiden ein allgemeines Aufwärmtraining von einem speziellen Aufwärmtraining. Durch das allgemeine Aufwärmtraining erhöht sich die Körperkern- und Muskeltemperatur des Drummers. Übungen können z.B. Lockerungsbewegungen sein. Die Übungen haben im Gegensatz zum spezifischen Aufwärmen keinen direkten Bezug zum Schlagzeugspiel, bzw. sind nicht zielbewegungsspezifisch.
Das spezielle Aufwärmen ist dagegen zielspezifischer und ähnelt der Schlagzeugbewegung bzw. gleicht ihr. Das spezielle Aufwärmen sollte daher am Set erfolgen. Vorteil ist, dass die Muskeln erwärmt werden, die Ihr beim Schlagzeugspiel benötigt.

Dem speziellen Aufwärmtraining kommt aus physiologischer Sicht aus folgenden Gründen eine besondere Bedeutung zu:
„Nur spezielles Aufwärmen kann die für eine feinmotorische Leistung notwendige optimale Durchblutungsgröße verwirklichen. Vor allem bei präzisionsorientierten Steuerungsvorgängen, […] spielt eine optimale Arbeitstemperatur der Finger für die sensorische bzw. koordinative Leistungsfähigkeit eine entscheidende Rolle.“ (Weineck, Optimales Training, 2009, S. 944)

Die Dauer des Aufwärmens ist altersabhängig. Junge Menschen benötigen in der Regel weniger Aufwärmzeit als ältere.

Die Aufwärmdauer beim Schlagzeugspielen ist individuell. Es gibt Langsamstarter und Schnellstarter. Jeder Schlagzeuger sollte seinen Weg finden. Die Erfahrung und das Körpergefühl des jeweiligen Schlagzeugers sind dabei von erheblicher Bedeutung. Jeder sollte ein Gefühl dafür entwickeln, wann der Zeitpunkt für eine optimale Erwärmung erreicht wird. Daher ist, aus Sicht der Verletzungsprophylaxe, ein alleiniges Aufwärmen dem Aufwärmen in der Gruppe zu bevorzugen.
Aufwärmen kann zur Verletzungsprophylaxe beitragen und ist im Sinne der Vorbeugung von Verletzungen das Mittel der Wahl. Dehnungen können ergänzend gemacht werden.

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Intermuskuläre Koordination beim Schlagzeugspiel

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Die Intermuskuläre Koordination: Was ist das denn? Die intermuskuläre Koordination ist das Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen. Sie kennzeichnet in hohem Maße die Qualität der Bewegung. Die Qualität steht vor der Geschwindigkeit. Eine qualitativ gut ausgeführte Bewegung ermöglicht uns später die gleiche Bewegung automatisiert abzurufen, wir sparen Energie und brauchen bereits geübte Bewegungsabläufe nur noch abzurufen. Dies ist nur dann möglich, wenn wir über die eigentlichen Bewegungsabläufe nicht mehr nachdenken müssen. Daher ist es wichtig, eine Bewegung zu automatisieren. Um eine Bewegung zu automatisieren, solltet ihr am besten in einem sehr langsamen Tempo beginnen.
Bedenkt: Die optimale intermuskuläre Koordination muss für jede Bewegung erlernt werden. Die Verbesserung der intermuskulären Koordination führt zu einer effektiveren Arbeitsweise der Muskulatur. Eine sauber ausgeführte Bewegung hat immer Vorrang vor einer Erhöhung der Geschwindigkeit.

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Muskelfaserverteilung und Ihre Bedeutung für das Schlagzeugspiel

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Es gibt einen genetischen Faktor, der unsere Schnelligkeitsfähigkeiten  und unsere Ausdauerfähigkeiten beim Schlagzeugspiel mitbestimmt.

Dazu muss man wissen, dass sich unsere Muskulatur aus drei Fasertypen zusammensetzt.
a) die ST = Slow Twitch Fasern und b) die FT = Fast Twitch Fasern. c) der Intermediärtyp, der in seinen Eigenschaften sowohl FT als auch ST Eigenschaften vereint.

Die Verteilung dieser Fasern hat bereits einen erheblichen Einfluss auf unsere  Grundschnelligkeit. Die FT-Fasern zeichnen sich durch eine hohe Kontraktionsgeschwindigkeit aus, das heißt ein Schlagzeuger mit hohem Anteil von FT-Muskelfasern kann, rein physiologisch betrachtet, zum Beispiel wesentlich schneller Single Strokes ausführen als ein Schlagzeuger, der anteilig mehr ST-Fasern besitzt. Aber auch die ST-Fasern haben Vorzüge: Sie zeichnen sich durch eine hohe Ermüdungsresistenz aus, ermöglichen also ausdauerndes Spiel. Die Faserverteilung bestimmt somit auch das Talent für schnellauszuführende Bewegungen. Durch Training können wir eine Umwandlung unserer Muskelfasern in die eine oder andere Richtung erreichen. Es scheint so, dass sich gerade der intermediäre Typ durch Training tendenziell in die eine oder andere Richtung beeinflussen lässt. Allerdings liegen hierzu noch zu wenige wissenschaftliche Untersuchungen vor. Zur Zeit kann davon ausgegangen werden, dass eine Umwandlung der FT-Fasern in ST-Fasern leichter möglich ist als in die andere Richtung.

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Motorisches Lernen beim Schlagzeugspiel

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Mentales und motorisches Lernen:

„Ersteres ist vornehmlich auf die Aneignung von Wissen sowie geistigen Fähigkeiten und Fertigkeiten gerichtet, letzteres hat motorisches Können zum Ziel und Ergebnis. Mentales und motorisches Lernen sind eng miteinander verknüpft, bedingen und entwickeln sich wechselseitig.“ (Vgl. Meinl, Schnabel – Bewegungslehre, Sportmotorik, S. 147)

Schlussfolgerung für Euer Üben am Schlagzeug:
• Lernaktivität: Wenn Ihr eine Übung spielt ist es von Besonderer Bedeutung, dass Ihr diese bewusst, interessiert und konzentriert übt. Ein inneres „Beteiligtsein“ ist notwendig.
• Lernmotivation: Die Lernaktivität ist auch in hohem Maße von der Lernmotivation bestimmt. Ihr solltet mit einer positiven Einstellung an eine Übungsaufgabe herangehen.

Man unterscheidet 3 Phasen des Lernverlaufs, die hier stichwortartig erklärt und gekennzeichnet werden:

1.) Entwicklung der Grobkoordination:

• Hoher Konzentrationsaufwand
• Höherer Energieaufwand
• Grobe und meist fehlerhafte Gliederung des räumlich- zeitlichen Bewegungsablaufs
• Überflüssige Mitbewegungen

2.) Entwicklung der Feinkoordination

• Zunehmende Verbesserung des Bewegungsgefühls
• Geringerer Konzentrationsaufwand

3.) Stabilisierung der Feinkoordination und Ausprägung der variablen Verfügbarkeit

• Geringer Konzentrationsaufwand
• Optimale Koordination
• Minimaler Energieaufwand
• Stabilisation des Erlernten
• Geringe Störanfälligkeit (d.h. ihr lasst Euch nicht mehr aus dem erlernten Bewegungsablauf herausbringen – dies kennt ihr von Auftritten, wenn die Zusacheuer nicht im Takt mitklatschen)

Es ist erwiesen, dass sich bestimmte motorische Fähigkeiten zu bestimmten Zeitpunkten am besten erlernen lassen: Dieses Wissen sollte uns helfen, bestimmte Übungen, zu bestimmten Zeitpunkten zu intensivieren. Die Entwicklung des Menschen ist zwar individuell ausgeprägt (sowohl in Art und Intensität), jedoch gibt es motorische und geistige Entwicklungsstufen, die vom Grundsatz bei uns allen gleich verlaufen, und somit altersabhängig sind.

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Schnelligkeit beim Schlagzeugspiel ist trainierbar

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Wußtet ihr, dass Schnelligkeit für jeden trainierbar ist? In meinem aktuellen Artikel in der Schlagzeugzeitung „Drum Heads!!, Ausgabe 06/2013, 7 Tipps für mehr Schnelligkeit“ könnt ihr viele Tipps zu diesem Thema finden. In meinem heutigen Internetblog möchte ich Euch noch einige ergänzenden Informationen zu diesem Thema liefern:

  1. Bleibt locker, achtet darauf, dass Eure Muskulatur nicht verkrampft. Anspannung ist der größte Feind von Geschwindigkeitsverbesserungen und beinhaltet besonders für ungeübtere Spieler ein sehr großes Risiko Überbealstungsschäden zu erleiden.
  2. Achtet auf Reaktionen Eures Körpers und passt Euer Übungsprogramm entsprechend an.
  3. Vor dem Schnelligkeitstraining gilt: Intensiv aufwärmen.
  4. Viele Profis schwören darauf: Dehnen!! Siehe hierzu auch ein Videoclip auf youtube von Tony Royster jr. Bei „drumeo“.
  5. Welches Ziel verfolgt Ihr? Schnelligkeit kann man mit Hilfe verschiedener Übungsansätze verbessern. Im Netz finden sich zum Thema Schnelligkeit sehr unterschiedliche Herangehensweisen und Philosophien. Manche professionelle Schlagzeuger bevorzugen ein Training oberhalb des Grenzbereichs (Ich zitiere hierzu George Kollias, drums and percussion, Ausgabe Nr.5, September/Oktober 2011: „Wenn Du schnell spielen willst, dann musst Du schnell spielen! So einfach ist das……spiel so schnell Du kannst“), andere sagen „Schnelligkeit kommt ganz von alleine“, andere schwören wiederum auf das Training auf einem Kissen. Aus meiner Sicht haben die meisten dieser Ansätze auch Ihre Berechtigung. Bewegungswissenschaftlich gibt es zu vielen dieser Übungsansätze entsprechende physiologische Erklärungsmodelle, die alle dazu führen, Eure Schnelligkeitsfähigkeiten zu verbessern. Die Methode, die Ihr wählt, ist von Eurem Leistungsstand abhängig und davon, wofür Ihr Eure Schnelligkeit letztendlich trainieren wollt.
  6. Auch die Kraftkomponente ist ein wichtiger Bestandteil für die Bewegungsschnelligkeit. Folglich sind auch Kraftübungen eine gute Übungsergänzung. Übungen erlernt Ihr in meinem Unterricht bzw. in meinen Workkshops.
  7. Falls Ihr an Literaturhinweisen oder Links interessiert seid, könnt Ihr Euch gerne bei mir melden.
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